Im November 1921 brachte ein Dampfer einen Mann nach Funchal, der drei Jahre zuvor über fünfzig Millionen Menschen geherrscht hatte. Karl I. — der letzte Kaiser von Österreich und König von Ungarn, der letzte Monarch der sechs Jahrhunderte alten Habsburger Linie — hatte zweimal vergeblich versucht, seinen ungarischen Thron zurückzuerlangen. Die alliierten Mächte beschlossen, dass man ihn an einen entlegenen, vom Meer umgebenen Ort bringen müsse, von dem aus kein dritter Versuch ausgehen könne. Sie wählten Madeira.
Er traf mit seiner Frau ein, der Kaiserin Zita, die mit ihrem achten Kind schwanger war, und mit sehr wenig Geld. In den ersten Monaten wohnte die Familie in der Villa Vittoria, einem Haus neben dem brandneuen Reid's-Palace-Hotel an den Klippen von Funchal — sodass für eine seltsame Weile ein abgesetzter Kaiser und ein Luxushotel sich eine Gartenmauer teilten.
Das Haus auf dem Hügel
Die Lage am Meer erwies sich als kostspielig, und im Februar 1922 lieh eine madeirische Bankiersfamilie dem Paar eine bescheidene Sommervilla hoch über der Stadt: die Quinta do Monte, in den kühlen, grünen, oft wolkenverhangenen Hügeln von Monte. Sie war schön und sie war feucht. Am 9. März, auf dem Weg hinab in die Stadt, holte sich der Kaiser eine Erkältung. Aus der Erkältung wurde eine Bronchitis; aus der Bronchitis eine Lungenentzündung.
Es gab keine Antibiotika. Über drei Wochen hinweg wurde er schwächer, erlitt zwei Herzanfälle und starb am 1. April 1922 an Atemversagen. Er war vierunddreißig. Die Kaiserin Zita war an seinem Bett, und ebenso ihr neunjähriger ältester Sohn, Otto — der die Erinnerung an jenes Zimmer für den Rest eines langen Lebens in sich tragen sollte.
Eine geteilte Ruhe
Karl wurde dort begraben, wo er starb, in der auf dem Hügel gelegenen Kirche Nossa Senhora do Monte — Unsere Liebe Frau vom Berge — deren weiße Türme über Funchal und den Atlantik blicken. Sein Leichnam hat sie nie verlassen. Sein Herz jedoch wurde später in die Abtei Muri in der Schweiz gebracht und neben jenem der Kaiserin Zita beigesetzt: ein letzter Kaiser, dessen sterbliche Überreste zwischen einer subtropischen Insel und einem Schweizer Kloster geteilt sind.
Im Jahr 2004 sprach Papst Johannes Paul II. ihn als „den seligen Karl von Österreich“ selig. Ein Mann, der im obskuren Exil starb, wurde zweiundachtzig Jahre später zum Gegenstand der Verehrung — und sein Grab in Monte wurde zu einem Ort der Wallfahrt. Seine Nachkommen versammeln sich noch heute jedes Jahr am 1. April hier, dem Tag seines Todes.
Quellen & Anmerkungen
Zusammengestellt aus öffentlichen Quellen, vor allem den enzyklopädischen und musealen Darstellungen von Karls I. Exil und Tod sowie der Pfarrgeschichte von Monte. Daten und Einzelheiten folgen dem veröffentlichten Bestand.